Mobile Health

Mit der App gegen den Diabetes

Von Katharina Lehmann · 2021

Videosprechstunde, Schrittzähler, Ernährungstagebuch – digitale Anwendungen helfen Diabetikern, den Blutzucker besser zu überwachen und so die Krankheit zu kontrollieren. Immer mehr Anwendungen gibt es nun auch auf Rezept.

Junge Frau prüft auf ihrem Smartphone den Blutzuckerspiegel. Thema: Mobile Health
Foto: iStock/AndreyPopov

Als Stefanie Gruner (Name geändert) im vergangenen Herbst erfuhr, dass sie an Diabetes Typ 2 leidet, brach für sie eine Welt zusammen: „Jetzt zähle ich zur Risikogruppe, muss noch strikter aufpassen, mich nicht mit Covid-19 zu infizieren, Kontakte noch strenger vermeiden. Gleichzeitig brauche ich aber Unterstützung, würde mich gerne mit anderen Betroffenen austauschen.“ Eine schwierige Situation für die Berlinerin. Denn Medikamente richtig dosieren, die Ernährung umstellen, ständig den Blutzuckerspiegel überwachen – das alles ist neu für sie. 

Selbsthilfegruppen sind aufgrund der Pandemie aber tabu, zum Arzt und zur Ernährungsberatung ist Gruner auf Bus und U-Bahn angewiesen. Ein zusätzliches Risiko. Doch Gruner hat eine Ernährungsberaterin gefunden, die die Beratung während des Lockdowns per Videochat anbietet. In der virtuellen Sprechstunde erklärt die Expertin Gruner, wie die verschiedenen Lebensmittel auf ihren Stoffwechsel einwirken, zeigt ihr, welche Lebensmittel besonders vorteilhaft sind und welche sie eher meiden sollte, und hilft ihr, ihre Lieblingsrezepte entsprechend anzupassen. Gleichzeitig trackt Gruner ihre Mahlzeiten jeden Tag in einer App, in einer anderen hält sie die gemessenen Blutzuckerwerte fest. „Während des Chats analysieren wir die Werte und gehen gemeinsam durch, wie sich die verschiedenen Lebensmittel auf meinen Blutzucker ausgewirkt haben und wie ich meine Ernährung besser gestalten könnte.“ Dank der virtuellen persönlichen Beratung fühlt sich Gruner mit ihrer Diagnose nicht so allein, hat wieder neuen Mut geschöpft. „Noch besser wäre es für mich aber, wenn auch Hausarzt und Diabetologe solche Videosprechstunden anböten.“

Mobile Health: smarte Helferlein

Gerade für Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes sind die mobilen Gesundheitsanwendungen aus dem Alltag kaum noch wegzudenken. So nutzten im vergangenen Jahr nach Angaben des „Digitalisierungs- und Technologiereports Diabetes“ 43 Prozent der befragten Diabetes-Patienten oft oder sehr oft Apps zur Unterstützung der Krankheitskontrolle. Zu den Klassikern zählten Ernährungstagebücher oder Fitness-Tracker, die etwa Schritte zählen und den Energieumsatz ermitteln, sowie Programme, die Kalorien und Kohlenhydratanteil der Mahlzeiten ausrechnen. Neu sind zudem Apps, die die Blutzuckerwerte dokumentieren. Immer mehr dieser mitunter kostenpflichtigen Apps lassen sich heute auch per Rezept verschreiben.

Denn dass diese Apps den Patienten helfen, zeigte im Jahr 2019 eine Studie des Leibniz-Instituts für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen: Demnach haben sich Diabetes-Patienten, die Apps einsetzten, im Vergleich zu Nicht-Nutzern besser um ihre Blutzuckerwerte und ihre Ernährung gekümmert. Manche Anwendungen halfen so, den Langzeitblutzuckerwert zu senken.

Quelle: 
Diabetes-Ratgeber: Digitale Diabetes-Helfer

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