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Interview

„Gemeinsam stark“

Von Abbott GmbH & Co. KG · 2014

Weltweit leiden rund 370 Millionen Menschen an Diabetes. Allein in Deutschland gibt es täglich 700 Neuerkrankungen. Auch die Kosten, die durch Diabetes verursacht werden, sind alarmierend: Experten zufolge liegen sie bei rund 48 Milliarden Euro im Jahr. Patientenorganisationen und Diabetologen fordern deshalb schon seit langem die Einführung eines Nationalen Diabetesplans. Zwei Experten haben auf Einladung von Abbott Diabetes Care über die Dringlichkeit dieser Maßnahmen gesprochen. Es äußern sich hierzu Prof. Morten Schütt, Bereichsleiter Diabetes und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Schleswig Holstein in Lübeck (links), Prof. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (mitte) und Dr. Ansgar Resch, General Manager bei Abbott Diabetes Care, Deutschland (rechts).

Wie kommt es dazu, dass gerade ein Industrieunternehmen diese Diskussion anstößt?

Dr. Resch: Bei der Eindämmung der Erkrankung sind eine Vielzahl von Akteuren im Gesundheitswesen beteiligt, die aus sehr unterschiedlichen Perspektiven auf die Situation von Menschen mit Diabetes blicken. Darüber hinaus ist Diabetes aber auch eine Herausforderung für das gesamte Gesundheitssystem. Um Lösungen zu finden, müssen alle an einem Strang ziehen und aktiv Mitstreiter mobilisieren. Hierfür eignen sich Fachtagungen besonders gut, beispielsweise der jährliche Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Dort haben wir die Gelegenheit auf die Dimension des Problems hinzuweisen, verschiedene systemrelevante Teilnehmer zusammenzuführen und gemeinsam die Dringlichkeit für Lösungsansätze aufzuzeigen. 
Wir werden täglich mit den Konsequenzen der aktuellen Versorgungssituation konfrontiert und sehen hier den akuten Handlungsbedarf. Deshalb haben wir uns dem Thema Diabetes mit Leidenschaft verschrieben.


Können Sie die aktuelle Versorgungs­situation genauer beschreiben?

Prof. Danne: Leider nein, denn wir kennen sie nicht genau. In der früheren DDR gab es ein sehr gutes flächendeckendes Register mit belastbaren Daten. Solche Daten fehlen uns, da es aktuell nur lokal begrenzte Versorgungsdaten gibt. Wir wissen aus Krankenkassenauswertungen, dass es ein deutliches Nordost-Südwest-Gefälle gibt, das heißt sowohl das Auftreten der Erkrankung als auch die Versorgungsqualität sind regional sehr unterschiedlich. Es gibt so viele Baustellen, dass wir nur mit vereinten Kräften diese Volkskrankheit in den Griff bekommen werden. Deswegen brauchen wir den Nationalen Diabetesplan, wie er in 18 von 28 europäischen Ländern bereits vorliegt.

Nationaler Diabetesplan? Welche Maßnahmen beinhaltet dieser Plan und warum drängt sich die Notwendigkeit auf, diesen in Deutschland zu implementieren?

Prof. Danne: Die Zahl der Menschen mit Diabetes ist zwischen 1988 und 2012 um 38 Prozent gestiegen. Derzeit leben mehr als 6 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. Pro Jahr werden 40.000 Amputationen, 2.000 Erblindungen und circa 2.300 Niereninsuffizienzen mit Dialysepflicht durch den Diabetes verursacht. 
Ein Nationaler Diabetesplan soll eine bessere Prävention und Versorgung bei gleichzeitiger Effizienz der Mittelverwendung sicherstellen. Handlungsfelder wären die Primärprävention, die Früherkennung, Aufbau eines nationalen Diabetesregisters, Versorgungsforschung, Versorgungsstrukturen und Qualitätssicherung sowie Patienteninformation und -schulung.

Was erhoffen Sie sich als Arzt in der täglichen Versorgung von Menschen mit Diabetes durch die Implementierung eines Nationalen Diabetesplan in der Praxis?

Prof. Schütt: Die bislang zur Verfügung stehenden nationalen Zahlen zu Prävalenz, Behandlungserfolgen und Kosten sind besorgniserregend. Trotz eindeutiger Empfehlungen durch die WHO, Vereinten Nationen und der EU fehlt der politische Wille für ein nationales Konzept, um über Diabetes aufzuklären, vorzubeugen und so früh wie möglich zu erkennen. Ein Nationaler Diabetes­plan bietet die Chance, Organisation und Qualität von Prävention und Versorgung systematisch auf verschiedenen Ebenen zu koordinieren, Ergebnisse transparent festzuhalten und mit definierten Zielen zu vergleichen. Auf diese Weise könnte gezielt eine Bewertung von bestimmten Maßnahmen in der Patientenversorgung vorgenommen und sinnvoll investiert werden. 

Was muss passieren, damit wir in Deutschland diesem Ziel näher kommen?

Prof. Danne: Die Politik muss den Anstoß dazu geben, dass alle Bundesländer verlässliche Diabetes-Zahlen liefern. Dass so etwas möglich ist, zeigt das kürzlich verabschiedete Gesetz zum Nationalen Krebsregister. Solche Zahlen würden uns dann auch ermöglichen, die Behandlungsqualität transparent zu erfassen und damit sicherzustellen, dass die Mittel, die bereits heute für die Diabetesbehandlung aufgewendet werden, bestmöglich eingesetzt werden. Andere Länder wie Holland oder Finnland haben mit ihren Nationalen Dia­betesplänen nachweisbar eine Verbesserung erreicht.  

Sie erwähnten in Ihrem Eingangsstatement, dass nur eine gemeinsame Herangehensweise zum Ziel führen kann – welche Rolle sehen Sie  bei der Industrie?

Dr. Resch: Die Industrie trägt eine große Verantwortung – neben der unternehmerischen Seite sehen wir unser Hauptziel darin, Menschen mit Diabetes mit unseren Produkten das Leben einfacher zu machen. 
Wir sollten aber zukünftig unsere Rolle breiter interpretieren und zum Beispiel durch gemeinsame Projekte mit weiteren Partnern die Versorgungssituation nachhaltig verbessern.  

Sie sehen täglich viele Patienten in Ihrer Klinik. Welchen Herausforderungen müssen Sie und ihre Kollegen sich in der Versorgung stellen?

Prof. Schütt: Eine große Herausforderung ist die Kommunikation mit den weiterbehandelnden niedergelassenen Ärzten. Oftmals sind in der kritischen Phase der Erkrankung Umstellungen von Therapiekonzepten, die über Jahre im ambulanten Bereich erfolgreich waren, notwendig. Viele orale Antidiabetika müssen abgesetzt oder pausiert werden bezihungsweise werden durch eine Insulintherapie ersetzt. Die Weiterführung dieser Therapie im ambulanten Bereich ist oftmals nicht abzusehen. Hier sind klare Absprachen mit den Patienten, Angehörigen und Pflegediensten, vor allem mit dem Hausarzt, dringend erforderlich, um den Patienten vor Komplikationen zu schützen. Es liegt auf der Hand, dass angesichts der Zunahme der Diabetes-Prävalenz und der Diabetes-assoziierten Morbidität der Anteil von Menschen mit der Nebendiagnose in Kliniken stetig steigen wird und eine fächerübergreifende Diabeteskompetenz zwingend erforderlich macht. 

Fazit

Alle Gesprächsteilnehmer sind von der Notwendigkeit eines nationalen Diabetesplans für Deutschland überzeugt, um die Versorgungssituation von Menschen mit Diabetes zu verbessern. Neben den verschiedenen Marktteilnehmern ist vor allem die Politik gefragt, auf etablierte Prozesse aus anderen Ländern zurückzugreifen und die entsprechenden Maßnahmen in Deutschland einzuleiten. 

Kontakt

Abbott GmbH & Co. KG
Max-Planck-Ring 2
65205 Wies­baden
E-Mail: info.de@abbott.com
Web: http://www.abbott.de

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